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Auf einen stressfreien Sommerurlaub

Foto von Michael Winterhoff

Handys, Touren, Spiele: Stimmen Sie vor der Abfahrt gemeinsam Regeln ab.

Bald beginnen die Sommerferien – und damit der Start für den gemeinsamen Familienurlaub. Aber aus Freude kann schnell Frust werden, wenn’s um Sightseeing, Wandern und Handy-Regeln geht. Kinderpsychiater und Buchautor Michael Winterhoff, der am 20. September beim Leibniz-Abend in Elmshorn zu Gast ist, gibt in der B. Z. aus Berlin acht Tipps, mit denen Sie diesen Sommerurlaub weniger Diskussionen und mehr Erholung haben.

Greifen Sie (fast) nicht zum Handy

Für die meisten gehört das Smartphone im Urlaub dazu. Winterhoff: „Viele Eltern realisieren nicht, wie sehr sie das Gerät absorbiert und wie wenig Aufmerksamkeit sie ihren Kindern schenken. Jugendliche, die auch im Urlaub in den sozialen Netzwerken aktiv sind, befinden sich in ihrem Kopf weiterhin im Alltag. Und Kinder, die stundenlang auf dem Handy herumtippen, kommen gar nicht erst in Ferienstimmung.“

Verkaufen Sie Ihren Kindern den Smartphone-freien (oder -reduzierten) Urlaub als Abenteuer („Wir leben wie die Menschen, bevor es Handys gab!“). Jugendlichen gegenüber können Sie ruhig von dem Experiment eines kollektiven Entzugs sprechen. Kalkulieren Sie ein, dass die ersten drei Tage hart sein werden!

Packen Sie die Tage nicht zu voll

Nichts überfordert unsere Kinder am Alltag so sehr wie der enge Zeitplan. Vermeiden Sie es, Ihre Urlaubstage in ähnlicher Weise zu verplanen. Kinder brauchen Auszeiten. Winterhoff: „Es ist nicht schlimm, wenn Ihr Kind sich mal langweilt. Das ist der Motor der Kreativität. Sie werden erleben, dass es plötzlich wunderbar allein spielt.“

Werden Sie Retro

Denken Sie beim Packen an Beschäftigungsmaterial, das gerne ein bisschen altmodisch sein darf: Spielkarten, Hörspiele, Vorlesebücher sowie Bastelsachen sind super – auch um Wartezeiten im Restaurant oder am Flughafen zu überbrücken. Packen Sie auch einen Fotoapparat und CD-Spieler ein. Wer zum Fotografieren oder Musikhören das Handy benutzt, riskiert, auch wieder Nachrichten und soziale Netzwerke zu checken.

Tappen Sie nicht in die Optimierungsfalle

Wer ständig im Internet checkt, was es noch für Sehenswürdigkeiten gibt, wie das Wetter wird und welches Restaurant noch besser sein könnte, bringt sich selbst um die Entspannung. Winterhoff: „So optimieren wir nur vordergründig den Erholungseffekt, stressen uns aber in Wirklichkeit. Die innere Unruhe der Eltern überträgt sich auf die Kinder. Diese lernen: Woanders könnte es schöner sein, deshalb können wir uns (noch) nicht entspannen.“

Respektieren Sie den Rhythmus Ihres Kindes

Kinder bis zum sechsten Lebensjahr werden quengelig, wenn der Tag von ihrem gewohnten Rhythmus abweicht. Wenn sie abends zu spät noch im Restaurant sitzen, sind sie am nächsten Tag unausgeglichen und machen ihren Eltern das Leben schwer. Deshalb sollte sich der Urlaubsrhythmus nicht allzu sehr von dem heimischen unterscheiden.

Radtour statt Erlebnispark

Setzen Sie im Urlaub auf Aktivitäten, die das Gemeinschaftsgefühl stärken. Bei einer Wanderung oder einer Radtour kommen schöne Gespräche auf. Das sportliche Erlebnis schafft das Bewusstsein, ein Team zu sein. Anders ist es im Freizeitpark. Hier befinden sich die Teilnehmer eher im Konsumenten-Modus.

Vielleicht gibt es für Jugendliche im Urlaubsort einen Kurs (z. B. Surfen, Klettern). Das gibt ihnen das Gefühl, dass auch ihren Interessen Rechnung getragen wird.

Achten Sie auf entspannte An- und Abreise

Wer den Weg ins Urlaubsdomizil durchbrettert, beginnt den Urlaub mit Stress. Planen Sie Pausen und eine Übernachtung ein. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich nicht langweilt (z. B. gemeinsame Spiele im Auto) und halten Sie Spielzeug oder Bastelmaterial bereit.

Nehmen Sie sich Zeit für sich

Sie möchten in Ruhe schwimmen gehen, ein Kapitel lesen oder an einem Yoga-Kurs teilnehmen: Tun Sie das! Es ist wichtig, dass Sie auch Ihre persönlichen Bedürfnisse befriedigen. Aber: Kündigen Sie Ihren Kindern an, wann Sie wieder für sie da sind.

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