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Grundschulen: Ein halbes Schuljahr fällt aus

In einer ersten Stellungnahme hat sich Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), wie folgt zu den Ergebnissen der aktuellen Grundschul-TIMS-Studie geäußert, glaubt, dass die Grundschulen in manchen Bundesländern in Deutschland wegbrechen und konstatiert, dass in einigen Bundesländern in der Grundschule per se ein halbes Schuljahr ausfällt:

„Die mittelmäßigen Ergebnisse überraschen mich keineswegs, man darf sich damit aber nicht zufrieden geben. Schließlich wurden die Grundschulen in einigen deutschen Ländern in den letzten Jahrzehnten zu einer Spielwiese falscher Reformen. Die Folgen sind nun vor allem in einigen deutschen Ländern spürbar: Die Zahl der Unterrichtsstunden wurde gekürzt, die Ansprüche wurden abgesenkt, der Grundwortschatz wurde reduziert, das Schreiben nach Gehör wurde eingeführt, zulasten der Kernfächer Deutsch und Mathematik wurde mit zweifelhaftem Erfolg ein Grundschul-Englisch etabliert.

Sehr bedauerlich ist, dass die aktuelle Studie aufgrund der relativ schmalen Stichprobe nicht nach Bundesländern ausdifferenziert werden kann. Sonst hätte sich mit Gewissheit ein erhebliches innerdeutsches Gefälle herausgestellt. Allein die Zahl der Unterrichtsstunden, die Grundschüler genießen, ist in hohem Maße unterschiedlich. Ein Grundschüler in Bayern hat in vier Jahren etwas mehr als 4.100 Stunden Unterricht, ein Grundschüler in Berlin oder Brandenburg nur rund 3.700, ein Schüler in NRW 3.900. Die Differenz entspricht einem halben bzw. einem viertel Schuljahr.

Leidtragende sind nicht nur die Schüler, sondern auch die weiterführenden Schulen, die vor allem in den Fächern Deutsch und Mathematik in ihren Eingangsklassen oft nicht mehr das voraussetzen können, was sie vor 25 Jahren voraussetzen konnten.

Es wird Zeit, dass man unseren Grundschülern wieder etwas mehr zumutet, weil man ihnen mehr zutrauen kann. Die Grundschule muss statt auf Erlebnisorientierung wieder mehr auf Ergebnisorientierung setzen.

 

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