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Mobbing? – Schulkleidung hilft

„Ey, Alter, was hast du denn an? Is‘ der von Aldi? Sieht echt scheiße aus, der Pullover.“ Murat ist der Boss in dieser dritten Grundschulklasse. Auf ihn hören die Jungs. Jan hat sechs Geschwister und muss die Pullover seines älteren Bruders auftragen. Sie hänseln ihn, wegen seiner Schüchternheit und wegen seiner Kleidung. Jan steht am Rande.

Mobbing ist nicht an Alter gebunden, es fängt schon in der Grundschule an. Jedes Kind versucht seinen Platz in der Gruppe zu finden. Seine Mitschüler kann es sich nicht aussuchen. Die Kinder einer Klasse sind aber wie die Glieder einer Kette: Ist eines kaputt, fällt die Kette auseinander. Wird ein Kind ausgegrenzt, ist die Klassengemeinschaft gestört. Schwache müssen gestützt werden, Dominante müssen lernen, mit ihrer Stärke umzugehen. Gegenseitige Achtung und Akzeptanz sind die Grundlage für ein vertrauensvolles Miteinander. Erst wenn alle ein Verantwortungsbewusstsein füreinander empfinden, werden sich auch sozial schwache Schüler in dieser Gemeinschaft sicher und geborgen fühlen.

Von der Persönlichkeit und dem pädagogischen Geschick des Lehrers hängt es ab, ob Murat und Jan zum „WIR“ finden. Er muss Grenzen aufzeigen und die elterliche Erziehung ergänzen, manchmal sogar ersetzen. Ihm muss es gelingen, die Spontaneität der Kinder in Regeln einzubinden, ohne ihre Fantasie zu beschädigen.

Das mag bei Grundschülern leichter erscheinen als bei älteren Jährgängen. Im Prinzip ist es jedoch immer dasselbe: In jedem Fall sind die Rahmenbedingungen einer Schulklasse oder Schule der Nährboden für Ausgrenzung und Mobbing. Für diese Rahmenbedingungen sind die Lehrer zuständig. Aufmerksame und mutige Lehrkräfte benennen die Schüler, die andere Klassenkameraden quälen, und ziehen diese zur Rechenschaft. Dabei muss das Prinzip „Null Toleranz“ gelten.

Jemand, der andere ausgrenzt, empfindet oft eigene Schwäche. Er will Macht über andere, um sich überlegen fühlen zu können. Dazu bringt er Klassenkameraden auf seine Seite, denn nur in der Gruppe ist er stark.

Es geht also nicht nur um die Bestrafung der Täter, sondern auch darum, zu erkennen, worin die Ursache für ihr Verhalten zu suchen ist, und darum, Abhilfe zu schaffen.

Ausgrenzendes Verhalten erübrigt sich in Klassen und Schulen, in denen einheitliche Schulkleidung getragen wird. Schulkleidung ist dort ein Baustein bei der Erziehung zum „WIR“. Die Schüler lernen, dass jeder ihrer Mitschüler ein Recht auf seine Schwächen hat.

Erst wenn Kinder es nicht mehr nötig haben, sich mit fetten Markenlogos oder supermodischem Outfit zu verkleiden, sind sie frei. Erst wenn die Kleidung weniger wichtig wird, hat ein kleiner Mensch die Chance auf seine Identität und kann zeigen, welche Kompetenzen er hat. Er lernt, dass es auf seinen Charakter, nicht aber auf den Geldbeutel seiner Eltern ankommt. Er lernt auch, zwischen Individualität im Denken und Handeln und Selbstdarstellung zu unterscheiden.

Die elf Spieler einer Fußballmannschaft demonstrieren durch ihr einheitliches Trikot, dass sie zusammengehören und dass sie gemeinsam zu gewinnen beabsichtigen.

Nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ treten auch Schüler, die Schulkleidung tragen, füreinander ein. Ihre Kleidung demonstriert nach außen, was in ihrem Bewusstsein geschieht. Sie zeigen, dass sie eine starke Gemeinschaft sind.

Eine Schulkleidungsschule ist eine Schule ohne Gewalt, auch ohne Mobbing, denn „Mannschaftskameraden“ auszugrenzen wäre absurd.

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