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Noch eine Schulreform – nein, danke: Gründet Privatschulen!

von Egon Boesten

Wenn nicht alles täuscht, wird der nächste Wahlkampf im Bundesland nicht zum ersten Mal unter dem Motto stehen „Wie weiter mit der Bildung?“ Die einen werden die Forderung nach dem Abitur für alle mit immer weiter reduzierten Leistungsanforderungen zu erfüllen suchen; die anderen werden das Ausbluten der klassischen Gymnasien bekämpfen wollen. Jeder neue Bildungsminister, jede neue Bildungsministerin – in den vergangenen zehn Jahren erlebte das kleine Bundesland Schleswig-Holstein immerhin vier davon – konfrontiert die Schulen mit immer neuen Vorgaben, Maßgaben. Es dominiere in den staatlichen Schulen aber ein Geist der Verwaltung“, schrieb Dr. Bernhard Bueb schon vor vielen Jahren: „Zu viele Schulleiter und Lehrer neigen dazu, eher Verwaltungsvorschriften zu folgen als ihrem pädagogischen Impetus. Die Berufung auf Vorschriften dient als Vorwand, die Anstrengung von Reformen zu meiden.“

Das Prinzip wäre so einfach wie genial – und wird im Übrigen auch schon durch die Organisation der Kindergärten in Ansätzen in Deutschland praktiziert: Milton Friedman plädierte erstmals 1955 für eine alternative Bildungsfinanzierung durch die Einführung von Bildungsgutscheinen. Der Bildungsgutschein weist folgende Merkmale auf: Das Steuergeld fließt den jeweiligen staatlichen oder privaten Schulträgern nicht mehr unmittelbar zu, sondern auf dem Umweg über den Schüler. Dem Schüler wird über seine Eltern ein Gutschein ausgehändigt, mit dem er dann zu einem Schulträger (staatlich oder privat) geht und dessen Leistungen bezahlen kann. Der löst den Gutschein bei der Staatskasse gegen Geld ein, mit dem sie ihre Personal-, Raum- und sonstigen Sachkosten im Rahmen eines selbst verwalteten Haushalts bezahlen kann. Dies Finanzierungsverfahren tritt an die Stelle der traditionellen Unentgeltlichkeit staatlicher Bildungseinrichtungen und der staatlichen Direktsubventionen an private Bildungseinrichtungen.

Abgesehen davon, dass alle Eltern ohne Schulgeld die Wahl zwischen privater und staatlicher Schule hätten, gäbe es für jede Schule einen unbestreitbaren Vorteil: Die Schule entscheidet selbst über ihren Weg, ihre Schwerpunkte, ihre didaktisch-methodischen Prinzipien ohne staatliche Gängelei. Eine länderübergreifende mit Staatsautorität ausgestattete Kultministerkonferenz kontrolliert – bundesweit einheitlich (!) – die allgemeinen Rahmenbedingungen für Schule, stellt bundesweit geltende Prüfungsfragen und Themen für alle Abschlüsse und bleibt ansonsten im Hintergrund. Jeder Schulleiter stellt die Lehrer (als Angestellte) ein, die seine Schule benötigt, jeder Schulleiter befindet über die Verwendung von Ressourcen und jede Schule geht ihren eigenen Weg.

Wettbewerb, Eigeninitiative, Selbstverwaltung und unternehmerisches Denken charakterisieren die Arbeit dann nicht nur von Privatschulen. Sie arbeiten kostengünstiger, weil sie nach Bedarf Haushaltspläne aufstellen, flexibel investieren und sparsam wirtschaften. Schulen werden insgesamt so viel effizienter arbeiten; einschlägige Untersuchungen belegen dies bisher schon eindrucksvoll. Das ideale Schulmodell bildeten daher staatlich finanzierte Schulen, die privat geführt werden.

Geht nicht? – In den Nachbarländern wird Jahr für Jahr das Gegenteil bewiesen, mit deutlich besserem Erfolg als in Deutschland. In den Niederlanden sind 75 Prozent der Schulen so organisiert. Wissenschaftler sehen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den überwiegend privat geführten Schulen in den Niederlanden und ihrem überdurchschnittlich guten Abschneiden bei internationalen Vergleichen. Noch mal Dr. Bernhard Bueb: „Deutsche Staatsgläubigkeit hat dazu geführt, dass Deutschland zu den wenigen westlichen Ländern mit einem geringen Anteil an Privatschulen zählt. Zugleich ist es das Land mit der ungerechtesten Verteilung von Bildungschancen. Mehr Privatschulen und damit mehr Vielfalt, mehr Eigenverantwortung, unabhängigeres Denken und weniger Beamtenmentalität in der Schullandschaft würden auch den Staatsschulen Beine machen zum Nutzen von Eltern, Lehrern und Schülern.“

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